Das Herz – Aufbau und Funktion

Das menschliche Herz liegt hinter dem Brustbein im Brustkorb. Es handelt sich um einen so genannten Hohlmuskel, der das Blut durch die Gefäße pumpt. Somit ist das Herz für die Versorgung des gesamten Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen verantwortlich.
Das Herz wird in vier Abschnitte unterteilt: in einen rechten und linken Vorhof (Atrium) sowie eine rechte und linke Kammer (Ventrikel). Rechte und linke Seite sind durch die Herzscheidewände getrennt. Das Blut kann in den Herzräumen nur in eine Richtung fließen, da zwischen den Vorhöfen und Kammern und sich an die Kammern anschließenden Gefäßen Herzklappen eingebaut sind, die wie Ventile arbeiten.
Bei jedem Herzschlag wird das Blut zunächst von den Vorhöfen in die Kammern gepumpt. Anschließend ziehen sich die Kammern zusammen und drücken das Blut in die Gefäße. So gelangt es schließlich von der rechten Herzseite in die Lunge und von der linken Herzseite in den Körper. Über 100.000 Mal pro Tag schlägt das Herz, um unseren Kreislauf in Gang zu halten.
Wenn Spitzenmedizin das Herz rettet – spricht das Herz zurück
Unser Patient Rudolf Reinhardt hat dem Herzen und unserem Team der Kardiologie ein Gedicht mit dem Titel "Mein krankes Herz" gewidmet, über das wir uns sehr gefreut haben. Wir bedanken uns bei Herrn Reinhardt und möchten das Gedicht hier teilen:
Mein krankes Herz
Das Herz, ein wichtiges Organ,
Schauen wir es uns mal näher an.
Es hat, seit unserem Erdendasein schon,
So wie man weiß, Zentralfunktion.
Es ist fast mittig in der Brust,
Hat immerzu zum Schlagen Lust.
Hält damit bei Alt und Jung,
Die Blutzirkulation in Schwung.
Man wird es jedoch nicht bestreiten,
Auch Sorgen kann es uns bereiten.
Denn ist es, wie meines, altersschwach,
Dann lässt auch seine Leistung nach.
Doch kommt bekanntlich immerhin,
Hilfe von der Medizin.
Bevor eine OP gebucht,
Wird erst mal gründlich untersucht.
Die Ärzte, mit viel Sachverstand,
Beschauen sich die Hinterwand.
Oral, mit einem Schlauch von oben her.
Von „anderseits“ es schlimmer wär.
Dann soll ein CT noch eben,
Weitere Erkenntnis geben.
Wobei man in der Röhre liegt.
Vom Drumherum nicht viel mitkriegt.
Röntgenstrahlen dich durchdringen,
Die ans Tageslicht nun bringen,
Was zu dem Ergebnis führt:
Der Patient wird operiert!
Dann Untersuchung per Katheter.
Der vom Handgelenk fast einen Meter,
In die Arterie geschoben,
Bis in das Herz, das ja da oben.
Der Kardiologe mir beteuert,
Dass eine Herzklappe erneuert.
Das sei kein größeres Problem.
Ich sag: „Für Sie. Mir nicht genehm!“
Jetzt wird darüber diskutiert,
Ob sich das noch bei mir rentiert.
Obwohl von mir nur noch ein Rest,
Stellt übereinstimmend man fest,
Dass der Eingriff mir doch nützen tät,
Weil ich dann noch was länger hät.
Am Ende alles angenehm.
Dank Herrn Dr. Büllesfeld und seinem Team!
Die Quintessenz von allem ist:
Es bleibt nur eine kurze Frist,
Bis die Herzklappe nun neu.
Dann ist der ganze Spuk vorbei!
Hoffentlich bringt sie auch, was sie verspricht.
Doch da bin ich voller Zuversicht!!
Herzrhythmus
Damit die Herzaktion reibungslos und gleichmäßig ablaufen kann, gibt es ein Steuerungszentrum: den Sinusknoten. Dieser ist der Taktgeber und liegt in der Wand des rechten Vorhofes. Regelmäßig gibt er schwache elektrische Impulse ab. Diese Impulse werden über eine Zwischenstation, den AV-Knoten an Leitungsfasern der Herzkammern weitergeleitet. Dadurch erhält jede Muskelfaser der Hauptkammern beginnend im Bereich der Herzspitze den Befehl, sich zusammenzuziehen: Der Herzschlag, die Kontraktion erfolgt.
Das gesunde Herz schlägt sehr regelmäßig, in Ruhe ca. 50 bis 80 Mal pro Minute. Es kann aber bei erhöhtem Bedarf, wie körperlicher Anstrengung oder Aufregung, leicht über 100 Mal pro Minute schlagen. Auch für diese Anpassung ist der Sinusknoten verantwortlich: Durch Hormone und Nerven angeregt gibt er entsprechend häufiger Impulse ab.

Herzrhythmusstörungen
Verschiedene Erkrankungen oder Veränderungen am Herzen können zu Rhythmusstörungen führen. Diese können als zu langsamer Takt, Aussetzer oder aber als zu viele und zu schnelle Schläge pro Minute auftreten. Fällt der Herzschlag unter 60 Schlägen/Minute ist der Puls zu langsam. Es wird von einer Bradykardie gesprochen. Bei gesunden Menschen (z.B. im Schlaf oder bei Sportlern) handelt es sich in der Regel um ein harmloses Geschehen. Hier können durchaus auch Werte bis zu 40 Schlägen/Minute noch normal sein.
Es gibt jedoch Erkrankungen am Herzen, bei denen ein zu langsamer Herzschlag erhebliche Auswirkungen für den Betroffenen haben kann. Das kann ein Syndrom des kranken Sinusknotens, eine Reizleitungsstörung oder auch eine Bradyarrhythmia absoluta sein.
Beim Syndrom des kranken Sinusknotens liegt in der Regel eine Abnahme der Herzfrequenz vor. Der Sinusknoten gibt seltener elektrische Impulse ab. Manchmal kann es ebenfalls zu einem kurzen Aussetzen des Herzschlags kommen. Auch kann sich ein Wechsel von langsamen und schnellen Impulsen zeigen, das sogenannte Bradykardie-Tachykardie-Syndrom (mehr als 100 Schläge pro Minute = Tachykardie). Ein weiteres Problem kann darin liegen, dass die Herzfrequenz bei einer Belastung nicht mehr ausreichend ansteigt (sog. chronotrope Inkompentenz).
Bei den Reizleitungsstörungen ist die Verbindung vom Sinusknoten zum Herzmuskelgewebe unterbrochen. Hier setzt in der Regel ein langsamer Ersatzrhythmus ein, der außerhalb des Sinusknotens entsteht. Häufig liegt diese Unterbrechung zwischen dem Vorhof (Atrium) und der Kammer (Ventrikel). Dann wird von einem atrioventrikulären oder AV-Block gesprochen. Diesen teilt man in verschiedene Schweregrad ein (I - III). Mit Bradyarrhythmia absoluta wird eine langsame Kammerfrequenz bei gleichzeitig bestehendem Vorhofflattern oder Vorhofflimmern beschrieben. Dabei schlagen die Vorhöfe über 200 Mal pro Minute. Die Weiterleitung dieser Impulse an die Kammern ist gleichzeitig blockiert (s. AV-Block). Die Kammern selbst haben dabei eine langsame Eigenfrequenz.
Aber auch außerhalb des Herzens können Ursachen von Bradykardien vorliegen, wie das Carotissinussyndrom. Hier besteht eine Überempfindlichkeit eines Nervengeflechtes an der Halsschlagader.
Darüber hinaus kann es unter der Behandlung mit einigen Medikamenten zu einer ausgeprägten Bradykardie kommen. In bestimmten Fällen ist eine Behandlung mit solchen Medikamenten unbedingt erforderlich, so dass zum Schutz des Patienten ein Herzschrittmacher eingesetzt werden muss.
Generell verschlechtert sich bei den beschriebenen Bradykardien die Blut- und Sauerstoffversorgung des Körpers. Auf diese Mangelversorgung reagiert das Gehirn empfindlich. Schwäche, Schwindel oder auch kurze Anfälle von Bewusstlosigkeit sind die Folge. Als Spätfolge tritt unter Umständen sogar eine Herzschwäche auf.
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Nichtinvasive Diagnostik der Herzkranzgefäße
Der Herzmuskel ist der Motor unseres Kreislaufs. Er pumpt während körperlicher Ruhe pro Minute sechs bis sieben Liter Blut durch unseren Körper und versorgt so das Gehirn, die Muskeln und die Eingeweide mit sauerstoffreichem Blut aus der Lunge. Damit das Herz diese Arbeit ohne Unterbrechung und dauerhaft durchführen kann, benötigt es selbst sauerstoffreiches Blut. Dieses gelangt über die Herzkranzgefäße, die so genannten Koronararterien, zum Herzmuskel. Die Herzkranzgefäße selbst haben nur wenige Millimeter Durchmesser.
Durch verschiedene Ursachen können diese Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Plaques) verengen. In schweren Fällen wird dann der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Verschiedene Probleme können sich daraus ergeben. Der Herzmuskel kann sich z. B. unter Belastung, wenn er sehr viel Sauerstoff benötigt, mit Brustschmerzen oder mit dem Gefühl der Luftnot melden. Herzrhythmusstörungen können auftreten. Letztlich kann eine Herzkranzarterie vollständig verschlossen werden, es droht dann ein Herzinfarkt.
Die Computertomographie des Herzens kann die Herzkranzgefäße bildlich darstellen und hilft, krankhafte Veränderungen zu erkennen. Üblicherweise werden dazu unterschiedliche Aufnahmen durchgeführt: der so genannte „Calcium Score“ und eine Koronar-Angiographie.
Cardio-CT: Computertomographie des Herzens
Die Abkürzung CT steht für Computertomographie. „Cardio“ bedeutet, dass mit dieser Technik das Herz bzw. die herznahen Gefäße wie z. B. die Koronararterien oder die Lungenvenen untersucht werden. Das Herz stellt für den untersuchenden Arzt häufig eine besondere Herausforderung dar. Gewöhnlich ist zunächst eine Ultraschalluntersuchung die Methode der Wahl, um die Funktion des Herzens zu beurteilen. Allerdings gibt es eine Reihe von Fragestellungen, die so nicht beantwortet werden können. Insbesondere betrifft dies krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße.
Was ist eine Computertomographie?
Die Computertomographie ist ein Verfahren zur Erstellung von Bildern der Organe und Gewebe unseres Körpers. Hierfür werden Röntgenstrahlen genutzt, welche von unterschiedlichen Geweben und Knochen verschieden stark abgeschwächt werden.
Im Gegensatz zu einem einfachen Röntgenbild, welches nur in eine Richtung durch den Körper „hindurchblickt“, ist es der Computertomographie möglich, hochauflösende Schichtbilder, also Querschnitte, aus unserem Körper zu erstellen. Um dieses zu erreichen, kreist während der Untersuchung eine Röntgenröhre in einem Ring um den Körper. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Empfänger, der ebenfalls mitkreist und die durch den Körper tretenden Strahlen auffängt. Ein Computer berechnet daraus dann die entsprechenden Schnittbilder.
Röntgenstrahlen breiten sich wie eine Welle im Wasser in viele Richtungen aus. Je größer der Empfänger ist, umso mehr kann von den gesendeten Röntgenstrahlen empfangen werden. Für ein genaueres Bild muss also nicht unbedingt die Dosis der Röntgenstrahlen erhöht werden, sondern die Größe und die Genauigkeit des Empfängers verbessert werden. Je mehr „Zeilen“ ein Empfänger lesen kann, desto mehr Information kann später für das Bild verarbeitet werden.
Computertomograph am St. Marien Hospital Bonn: Ein Siemens Flash CT welcher 256 Zeilen mit zwei versetzt arbeitenden Detektorfeldern ultraschnell ausliest. Dadurch können hochauflösende Bilder des gesamten Herzens in weniger als 300 Millisekunden aufgenommen werden.
Bei sich bewegenden Organen, wie dem Herz, hängt die Genauigkeit außerdem von der Geschwindigkeit der Bildaufnahme ab. Je schneller das Bild aufgenommen werden kann, desto feinere Strukturen lassen sich scharf abbilden. In der Computertomographie wird die Auflösung von sich bewegenden Organen also wesentlich von der Umdrehungsgeschwindigkeit der Röhren und der Empfänger bestimmt.
Calcium Score

Für eine Calcium-Score-Messung werden die kalkhaltigen Plaques in den Herzkranzgefäßen erfasst. Im Bild wurden drei große Plaques im Bereich der linken vorderen Herzkranzarterie (LAD) gelb markiert.
Die Computertomographie kann den Grad der Verkalkung der Herzkranzgefäße messen. Die gesamte Menge Kalk, welche sich in den Herzkranzgefäßen abgelagert hat, steht in engem Zusammenhang mit dem Risiko, in den kommenden Jahren einen Herzinfarkt oder eine koronare Herzerkrankung mit Beschwerden (s. o.) zu entwickeln.
Die gemessene Menge Kalk wird mit gesunden Patienten gleichen Alters und gleichen Geschlechts verglichen. So wird ein Punktewert ermittelt, der Calcium Score. Dieser Punktewert gibt allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit an, dass eine relevante Gefäßenge vorliegt. Die Skala der möglichen Calcium-Score-Werte wird in drei Schweregrade eingeteilt:
- 0-100 Punkte entspricht normalerweise einem niedrigen Risiko
- 101-400 Punkte einem mittelgradigen Risiko
- bei mehr als 400 Punkten wird eine relevante koronare Herzerkrankung schon hochgradig wahrscheinlich
Koronar-Angiographie

Das ganze Herz im Bild: Gut zu erkennen sind die Gefäßbahnen, die so genannten Herzkranzgefäße. Die hier im Bild zu sehenden Koronararterien haben einen Durchmesser von 3.5 mm bis kleiner als 1 mm.
Besteht der Verdacht auf krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße (Koronararterien), so muss vor einer möglichen Behandlung das Ausmaß und der Schweregrad dieser Engstellen (Stenosen) genau bewertet werden. Deshalb ist es notwendig, eine Gefäßdarstellung – eine so genannte Angiographie – durchzuführen. Bis vor kurzem gelang dieses nur mit einer Herzkatheter-Untersuchung, bei der feine Drähte und Schläuche über ein Gefäß in der Leiste zum Herzen vorgeschoben werden und die Herzkranzgefäße mit einem Kontrastmittel angefärbt werden.
Die moderne Computertomographie kann eine solche Angiographie der Herzkranzgefäße nun in einer kurzen Untersuchung erstellen, ohne dass die Ärzte invasiv tätig werden müssen. Für diese Untersuchung ist es notwendig, Kontrastmittel über eine Nadel im Arm zu verabreichen. Dann kann in der großen Mehrzahl der Fälle eine Aufnahme der Herzkranzgefäße in nur einem einzigen Herzschlag erstellt werden. Trotz dieser ultrakurzen Aufnahmedauer und einer nur sehr geringen Strahlendosis können so sehr hochauflösende Bilder der Herzkranzgefäße und ihrer Seitenäste erstellt werden.
Mit einer sehr leistungsstarken Software werden aus diesen Bildern verschiedene Rekonstruktionen und 3D-Modelle errechnet, anhand derer Ihre Ärzte das Gefäßsystem beurteilen und auch geringe Veränderungen und Engstellen auffinden.
Welche Untersuchungen sind vor einer Cardio-CT notwendig?
Ihre behandelnde Ärztin, bzw. Ihr behandelnder Arzt hat die Indikation für diese Untersuchung gestellt. Während der Computertomographie ist die Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel notwendig. Dieses kann in seltenen Fällen die Niere und die Schilddrüse negativ beeinflussen. Daher ist es notwendig, dass Sie zu der Untersuchung aktuelle Laborwerte der Niere und der Schilddrüse mitbringen. Sollten Sie früher einmal Probleme bei der Gabe von Röntgen-Kontrastmitteln wie z. B. eine allergische Reaktion gehabt haben, kontaktieren Sie uns bitte vor der Untersuchung. Weiterhin können bestimmte Diabetes-Medikamente (Metformin) eine Kontraindikation für die Kontrastmittelgabe sein. Sollten Sie unter erhöhtem Blutzucker leiden und deswegen behandelt werden, lassen Sie uns dieses bitte ebenfalls frühzeitig wissen. Falls Vorbefunde anderer Untersuchungen des Herzens vorhanden sind, bitten wir Sie ebenfalls, diese mitzubringen.
Untersuchungsablauf
Zum vereinbarten Termin werden Sie gebeten, nüchtern zu erscheinen. Das bedeutet, dass Sie die vier Stunden vor der Untersuchung bitte nichts gegessen und getrunken haben. Sollten Sie einen Termin erst am Nachmittag haben, dürfen Sie also ruhig frühstücken. Wir bitten Sie, am Tag der Untersuchung keinen Kaffee oder Tee zu trinken und ggf. auf Nikotingenuss zu verzichten.
Die Computertomographie wird in der Röntgen-Abteilung des St. Marien Hospitals durchgeführt. Sie werden gebeten werden, den Oberkörper zu entkleiden und auf der Liege des Gerätes Platz zu nehmen. Falls vorher noch nicht geschehen, wird Ihnen eine Nadel in eine Vene im Ellenbogen gelegt werden, über die Medikamente und das Kontrastmittel verabreicht. Außerdem werden Ihnen EKG-Kabel auf die Brust geklebt sowie eine Blutdruckmanschette angelegt.
Wie oben beschrieben, ist es notwendig, dass Ihr Herz möglichst ruhig schlägt, um später auf den Bildern möglichst scharfe Aufnahmen zu erreichen. Dafür wird, falls nötig, ein Medikament gespritzt, welches den Herzschlag auf eine Geschwindigkeit von ca. 60 Schlägen pro Minute beruhigt. Dieses kann mit einer vorübergehenden Müdigkeit einhergehen.
Um die Herzkranzgefäße möglichst weit darzustellen, wird anschließend ein zweites Medikament, Nitro-Spray, unter die Zunge gesprüht. Dieses kann kurzfristig bei manchen Menschen zu geringen Kopfschmerzen und einem niedrigen Blutdruck führen, welche rasch vorbeigehen.
Die eigentliche Untersuchung besteht aus mehreren „Fahrten“ durch den Computertomographen, bei denen Sie aufgefordert werden, einzuatmen und die Luft anzuhalten. Auch wenn eine einzelne Aufnahme innerhalb eines Herzschlags durchgeführt werden kann, dauert die gesamte Zeit auf der Untersuchungsliege üblicherweise ca. 10 bis 15 Minuten.
Nach der Untersuchung
Wir bitten Sie, nach der Untersuchung möglichst viel zu trinken, da das verwendete Kontrastmittel über den Urin wieder ausgeschieden wird. Sollten Sie doch Nebenwirkungen wie z. B. Schwindel durch die verabreichten Medikamente verspürt haben, werden wir Sie selbstverständlich so lange überwachen, wie dieses notwendig ist. Wir empfehlen Ihnen in einem solchen Fall, sich anschließend nicht aktiv am Straßenverkehr zu beteiligen. Lassen Sie sich ggf. bitte zu der Untersuchung begleiten.
Untersuchungsmethoden und Behandlungsmöglichkeiten
Das Herz ist eines der wichtigsten Organe des Menschen. Es muss in der Minute mehrere Liter Blut in den Körperkreislauf pumpen. Um diese Aufgabe zu bewältigen, besteht das Herz zum überwiegenden Teil aus Muskulatur. Die auf dem Herzen liegenden so genannten Herzkranzgefäße (auch Koronargefäße genannt) liefern dem Herzmuskel den nötigen Sauerstoff und die Nährstoffe für seine Arbeit.
Sind die Herzkranzgefäße durch Cholesterin- und Kalkablagerungen verengt, wird der Herzmuskel nicht ausreichend durchblutet.
Dies kann zu Herzschmerzen führen. Meist treten die Herzschmerzen, auch Angina pectoris genannt, unter Belastung auf und verschwinden in Ruhe. Manchmal treten Herzrhythmusstörungen auf. Diese können als Herzstolpern oder –rasen empfunden werden. Ein Herzinfarkt wird in den meisten Fällen durch einen Verschluß eines Herzkranzgefäßes verursacht. In Deutschland treten ca. 230.000 Herzinfarkte pro Jahr auf. Ein Herzinfarkt führt, wenn er nicht rechtzeitig erkannt wird, zu einer dauerhaften Einschränkung der Herzleistung.
Ihre Beschwerden bzw. die Untersuchungsergebnisse Ihres Arztes weisen darauf hin, dass Ihre Herzkranzgefäße verengt sein könnten. In dieser Situation kann der Herzkatheter Klarheit verschaffen und zeitgleich eine effektive Behandlung ermöglichen.
Mit Hilfe der so genannten Linksherzkatheteruntersuchung und einer Anfärbung der Herzkranzgefäße mit Röntgenkontrastmittel (Koronarangiographie) können Verengungen oder Unregelmäßigkeiten der Herzkranzgefäße erkannt und der Schweregrad bestimmt werden. Mit diesen Informationen kann die bestmögliche Behandlung festgelegt werden.
Linksherzkatheteruntersuchung und Koronarangiographie
Der untersuchende Arzt erläutert Ihnen den Untersuchungsablauf und beantwortet alle Fragen. Die Untersuchung verursacht in den wenigsten Fällen Schmerzen. Die Einstichstelle wird örtlich betäubt. Dann wird eine Schlagader (Arterie) punktiert und über einen sehr dünnen Draht eine Schleuse in das Gefäß gelegt. Unter kontinuierlicher Röntgenkontrolle wird ein weicher und flexibler Draht bis zum Herzen vorgeführt. Darüber wird ein dünner Herzkatheter in die linke Hauptkammer des Herzens geleitet. Anschließend wird der Draht zurückgezogen und die Drücke im Herzen werden gemessen. Dann färbt der Arzt mit Röntgenkontrastmittel die linke Hauptkammer an, um die Pumpleistung und Größe des Herzens beurteilen zu können. Manchmal spüren Sie dabei ein Wärmegefühl. Diesen Teil der Untersuchung nennt man Lävokardiographie.
Danach werden die Herzkranzgefäße untersucht (Koronarangiographie). Der Arzt sondiert die üblicherweise getrennt abgehende linke und rechte Herzkranzarterie und färbt diese in verschiedenen Ebenen unter Röntgenkontrolle an. Zeigt dieser Teil der Untersuchung eine Verengung der Herzkranzgefäße (Stenose), kann diese in der Regel in derselben Sitzung behandelt werden. Der Arzt wird Sie über diesen Befund informieren und Ihnen erklären, ob eine alleinige medikamentöse Therapie ausreicht, oder ob eine weitere interventionelle Therapie sinnvoll ist. Dazu stehen verschiedene technische Verfahren zur Verfügung. Nur noch in wenigen Fällen ist eine aufwendige Bypass-Operation notwendig, da fast immer über den Herzkatheter die Engstelle sicher und ausreichend behandelt werden kann. Man unterscheidet die Ballon-Aufdehnung von Herzkranzgefäßen, die so genannte perkutane Koronarangioplastie (PTCA), und die so genannte Stent-Implantation.
Die Ballon-Aufdehnung ist dann indiziert, wenn mit diesem Verfahren das Gefäß sicher und auch potentiell langfristig ausreichend behandelt werden kann. Um das Risiko eines Gefäßverschlusses zu verringern, kann auch eine Gefäßstütze (Stent) in die Engstelle eingebracht und über einen Ballon aufgedehnt werden. Der Stent ist eine Metallhülse, die einen Kollaps des Gefäßes vermeiden soll.
Wie erfolgt eine Ballondilatation?
Vor dem Eingriff wird um Ihre Einwilligung gebeten. Die Ballon-Dilatation wird auch PTCA genannt. Mit Hilfe einer speziellen Röntgenkamera wird ein spezieller Herzkatheter in den Eingang des verengten Herzkranzgefäßes vorgeführt. Dann spritzt der Arzt Ihnen ein Blutverdünnungsmittel (in der Regel Heparin). Dieses Mittel soll der Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen werden der Prozedur vorbeugen. Zusätzlich sollten Sie spätestens jetzt mindestens 2 Tabletten Clopidogrel einnehmen. Dieses Medikament hemmt die Blutplättchen und kann so die Komplikationsrate senken. Durch den in das Herzkranzgefäß eingebrachten Herzkatheter wird ein fadenförmiger sehr dünner weicher Draht in das Gefäß und über die Engstelle manövriert. Dieser Vorgang kann gelegentlich länger dauern, wenn die Engstelle sehr hochgradig oder schwierig zu erreichen ist. Dieser Draht dient dann im wahrsten Sinne des Wortes als Führungsschiene. Über diesen Draht kann ein Ballonkatheter in die Enge gesteckt werden.
Zur Kontrolle der richtigen Lage des Ballonkatheters können kleinere Mengen Röntgenkontrastmittel gespritzt werden. Ist die korrekte Position gefunden worden, wird der Ballon ca. 30 bis 90 Sekunden aufgelehnt.
Dabei werden Drücke von mehreren atm. erreicht. Das Aufblasen des Ballons führt zu einer Überdehnung der Engstelle und die einengenden Plaques im Gefäß werden in die Gefäßwand gedrückt und das gesamte Gefäß überdehnt. Häufig kommt es dabei zu sehr kleinen Einrissen der Gefäßwand, die in aller Regel keine Rolle spielen. Ist das Gefäß ausreichend aufgedehnt und verbessert sich der Blutfluß, kann das Behandlungsergebnis akzeptiert werden. Der Führungskatheter und der Ballon sowie der Draht können entfernt werden.
Was ist eine Stent-Implantation?

Seit ca. 1986 werden so genannte Stents angeboten. Es handelt sich dabei um sehr dünne maschendrahtartige Hülsen, die auf einem Ballon vormontiert. Mit Stents können potentiell gefährliche Gefäßeinrisse abgedeckt und Gefäße besser entfaltet werden. Stents sind Fremdkörper und müssen erst vom Körper akzeptiert werden. Stents werden nach und nach mit einer neuen Gefäßinnenhaut überwachsen. Bis dahin müssen Sie Medikamente einnehmen, die verhindern, dass sich Blutgerinnsel in den Gefäßstützen bilden. Typischerweise wird eine Kombination aus Acetylsalicylsäure und Clopidogrel (Iscover, Plavix) verordnet.
In den vergangenen Jahren wurden die Stents technologisch gewaltig weiterentwickelt und verbessert. Die Streben der Stents wurden dünner gemacht, die Montage auf den Ballons wurde verbessert und manche Stents wurden beschichtet, um ein überschießendes Zuwachsen der Stents zu verhindern. Insgesamt werden daher Stents heute fast regelmäßig eingesetzt. Ihr behandelnder Arzt kann Sie darüber aufklären, ob bei Ihnen und welcher Stents bei Ihnen geeignet ist.
Vor einer Koronarintervention
Der Arzt hört sich Ihre Beschwerden an und versucht eine Mangeldurchblutung am Herzen nachzuweisen. Folgende Methoden sind dazu geeignet: Belastungs-EKG, Belastungs-Echokardiographie, Szintigraphie des Herzens und die Kernspintomographie des Herzens. Bestehen Beschwerden oder Hinweise für eine Mangeldurchblutung am Herzen besteht in der Regel eine Indikation zu einer Herzkatheteruntersuchung.
Der Arzt bespricht Ihre Medikamente. Bestimmte Medikamente vertragen sich nicht mit dem Röntgenkontrastmittel. Dazu zählt insbesondere das Metformin, welches Diabetiker häufig einnehmen. Bitte informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie dieses Präparat einnehmen. Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS etc.) soll in der Regel weitereingenommen werden. Marcumar sollte abgesetzt werden.
Bitte geben Sie Allergien an. Wichtig sind insbesondere Medikamentenunverträglichkeiten und auch eine bekannte Kontrastmittelallergie. Ihr Arzt kann besondere Vorsichtsmaßnahmen unternehmen, wenn eine Allergie vorliegt.
Vier Stunden vor der Untersuchung sollten Sie nüchtern sein. Ihre Medikamente dürfen Sie in der Regel mit einem kleinen Schluck Wasser einnehmen. Das Rauchen müssen Sie vor und nach dem Eingriff einstellen.
Der Eingriff findet in einem speziellen Raum statt. Nach einem diagnostischen Eingriff können Sie häufig in den eigens dafür angeschlossenen Räumlichkeiten überwacht werden. Es steht jederzeit spezialisiertes Personal für Fragen zur Verfügung. Die Wartezeit können Sie mit Lesen, Fernsehen oder auch mit Hören von Musik überbrücken.
Entleeren Sie Ihre Blase bevor Sie in den Herzkatheter kommen. Auf Ihrer Brust werden EKG Elektroden angebracht, um den Herzrhythmus während des Eingriffs kontinuierlich zu überwachen. Je nach Punktionsort werden die Leisten oder Armbeugen desinfiziert und der übrige Körper wird mit einem sterilen Tuch abgedeckt. Besteht eine ausgeprägte Leistenbehaarung, wird diese entfernt.
Typischerweise haben Sie während der Untersuchung keine Schmerzen. Bevor der Katheter eingeführt wird, spritzt der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel. Die Röntgenuntersuchung spüren Sie nicht. Sie können allerdings beobachten, wie der Projektor in verschiedene Ebenen gedreht wird. Manchmal spürt man bei der Gabe von Röntgenkontrastmittel ein Wärmegefühl, sehr selten ein Brennen in der Brust. Bei der Ballonentfaltung oder der Implantation des Stents kann man ein Druckgefühl in der Brust verspüren. Bevor der Arzt den Ballon entfaltet, wird er Sie informieren.
Nach einer Koronarintervention
Im Anschluss an einen diagnostischen Herzkatheter kann die Schleuse unmittelbar entfernt werden. Der Arzt wird die Punktionsstelle in der Regel durch manuelle Kompression ausreichend verschließen und dann einen geeigneten Druckverband anlegen. Alternativ kann die Punktionsstelle verklebt oder vernäht werden. Das Bein sollten Sie in aller Regel gestreckt lassen. Schmerzt das Bein oder wird es taub, melden Sie sich bitte. Der Arzt lässt Sie in der Regel nach vier Stunden wieder aufstehen. Sie sollten sich auf keinen Fall in den nächsten 24 Stunden stärker belasten oder beim Stuhlgang stärker pressen. Sehr selten kann sich dann die Punktionsstelle wiedereröffnen. Spüren Sie an der Punktionsstelle ein warmes feuchtes Gefühl oder tritt Blut aus, informieren Sie bitte unmittelbar das zuständige Personal. Kontrastmittel wird über die Nieren ausgewaschen. Daher sollen Sie im Anschluss an die Untersuchung möglichst viel Trinken, so Ihr Arzt keine anderen Anweisungen gibt. Essen Sie während der ersten Stunde nach dem Eingriff nichts. Bevor Sie das Katheterzentrum bzw. das Krankenhaus verlassen, wird die Punktionsstelle kontrolliert und der Zustand dokumentiert. Ihr Arzt wird einen weiteren Termin zu einer Kontrolluntersuchung vereinbaren.
Nach einer interventionellen Untersuchungen kann das Vorgehen etwas unterschiedlich sein. Warum ist das so? Sie haben ein Blutverdünnungsmittel bekommen, so dass die Schleuse nicht ohne weitere Maßnahmen gezogen werden kann. In manchen Fällen ist es ratsam ca. drei Stunden zu warten, bis die Wirkung des Blutverdünnungsmittels abgeklungen ist, um dann die Schleuse zu ziehen und einen Druckverband anzulegen. In der Regel müssen Sie dann mindestens acht Stunden liegen. In den übrigen Fällen kann ein sogenanntes Verschlusssystem in die Punktionsstelle eingebracht werden und das Gefäß wird mit Hilfe eines Fibrinklebers zugeklebt. Danach muss auch ein Verband angelegt werden, aber die Liegezeit verkürzt sich auf ca. vier Stunden. Nicht alle Gefäße dürfen aktiv verschlossen werden. Ihr Arzt wird Sie über die beste Möglichkeit in Ihrem Fall informieren. Sollte ein Verschlusssystem angewandt werden, darf in den nächsten 24 Stunden nicht dasselbe Gefäß punktiert werden.
In jedem Fall wird der Arzt die Punktionsstelle untersuchen, bevor Sie nach Hause gehen können. Gelegentlich wird auch noch eine Blutentnahme vorgenommen oder ein EKG geschrieben. Bitte vergessen Sie nicht das zuständige Personal zu informieren, wenn Sie in der Nacht Beschwerden bekommen oder das Bein taub wird (s. o.).
Nach der Entlassung
In der Regel fühlen Sie sich nach einer erfolgreichen Therapie der Herzkranzgefäße subjektiv besser. Häufig haben Sie keine Brustschmerzen oder die Luftnot lässt nach. Manchmal verschwinden auch Herzstolpern oder Herzrasen. In der Regel können Sie wieder rasch arbeiten und sich körperlich besser belasten. Sie sollten sich allerdings innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Entlassung nicht körperlich stark belasten. Insbesondere sollten Sie Bewegungen vermeiden, die zu einer Belastung der Punktionsstelle führen. Dazu zählt das Heben schwerer Gegenstände.
Bitte duschen oder baden Sie erst nach 24 Stunden. Nach dieser Zeit sollen und dürfen Sie Ihren üblichen sportlichen Tätigkeiten wieder nachgehen. Ihr Arzt berät Sie gerne über die Gestaltung Ihres Lebensstils und kann Ihnen Tipps für eine gesunde und ausgewogene Ernährung geben.
Nach einer Ballonkatheterbehandlung oder Stent-Implantation ist eine Anschlussheilbehandlung in der Regel nicht notwendig. Hatten Sie einen Herzinfarkt oder einen schwierigen Verlauf, kann im Einzelfall eine solche Maßnahme Sinn machen. Dann wird Sie Ihr Arzt beraten.
Wichtig ist die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente. Insbesondere die Hemmer der Blutplättchen, z. B. Clopidogrel müssen zuverlässig eingenommen werden. Dies ist besonders wichtig, wenn ein Stent implantiert wurde. Ihr Arzt legt fest, wie lange Sie diese Medikamente nehmen müssen. Eine mögliche Nebenwirkung von Clopidogrel oder Acetylsalicylsäure sind Blutungen. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie bluten.
Um den langfristigen Behandlungserfolg festzustellen, wird der Arzt Kontrolltermine vereinbaren. Treten die alten Beschwerden auf, sollten Sie Ihren Arzt vorzeitig benachrichtigen. Wichtig sind regelmäßige Belastungsuntersuchungen oder Untersuchungen, die die Durchblutung am Herzen testen. Bekommen Sie wieder Beschwerden und sind die o. g. Tests auffällig, kann eine erneute Koronarangiographie sinnvoll sein. Bitte beachten Sie, die Rückfallrate hängt sehr von den individuellen Bedingungen ab, kann aber gelegentlich bis zu 30% betragen. Ihr behandelnder Arzt wird die Therapie optimieren, so dass diese Rate möglichst niedrig ist. Verlaufsuntersuchungen sind aber sicherlich sinnvoll.
Was können Sie machen, um Ihr Risiko zu senken?
Die wichtigsten Risikofaktoren sind Rauchen, hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, eine Zuckerkrankheit, ein hoher Blutdruck und eine familiäre Vorbelastung.
Hören Sie auf zu Rauchen. Wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, bitten Sie Ihren Arzt um Rat. Hohe Cholesterinwerte kann man häufig durch eine geeignete Diät beeinflussen. Ist eine Diät nicht effektiv, kann man die Cholesterinwerte mit Medikamenten senken.
Versuchen Sie bei Übergewicht abzunehmen. Dazu gehört regelmäßiges körperliches Training.
Erkennung, Ursachen und Therapie
Das Herz ist das wichtigste Organ des Menschen. Kontinuierlich pumpt es Blut durch den Körper und schlägt dabei in der Regel etwa 60 bis 100 mal pro Minute. Das entspricht bis zu 115.000 Schlägen am Tag und im Laufe eines 80-jährigen Lebens durchschnittlich ca. drei Milliarden Schlägen. Daher ist es durchaus möglich, dass das Herz gelegentlich aus dem Takt gerät.
Unter einer Herzrhythmusstörung versteht man eine Störung der normalen Herzschlagfolge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und -leitung im Herzmuskel.
Generelles zu Herzrhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen werden meist nach ihrem Entstehungsort (Vorkammer oder Hauptkammer) unterteilt. Weitere Unterteilungsmöglichkeiten ergeben sich aus der Geschwindigkeit des resultierenden Herzschlages (bradykard = zu langsamer Puls; tachykard = zu schneller Puls), der Gefährlichkeit (gut- oder bösartig bis hin zur potentiellen Lebensbedrohlichkeit) oder der Entstehung als angeborene (zusätzliche Leitungsbahnen, Herzmuskelerkrankungen, Ionenkanalerkrankungen) oder erworbene Störung (Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, Verdickung des Herzmuskels, Vergrößerung der Herzhöhlen mit Herzschwäche).
Die körperlichen Symptome, die durch Herzrhythmusstörungen hervorgerufen werden können, sind vielfältig und reichen von Herzstolpern, regelmäßigem oder unregelmäßigem Herzrasen („Klopfen bis in den Hals“) bis hin zu Luftnot, Herzschmerzen (Angina pectoris) oder sogar Ohnmachtsanfällen.
Liegt eine langsame (bradykarde) Rhythmusstörung vor, können Schwindel oder Kollapszustände bis hin zu vollständiger Ohnmacht (Synkope) resultieren. Häufig kann hier ein Herzschrittmacher Abhilfe schaffen.
Das wichtigste ist, die Ursache der Herzrhythmusstörungen zu finden. Zur Abklärung werden verschiedene Untersuchungsverfahren eingesetzt, denn die Erkennung der Ursache ist die Voraussetzung für eine richtige Therapie. Neben der Anamnese (Befragung nach Symptomen und bestehenden Erkrankungen, stattgehabten Therapien und Medikamenten) und der Laboruntersuchung (z. B. Suche nach Schilddrüsenfunktionsstörungen) sind hier insbesondere EKG und Langzeit-EKG zu nennen.
Darüber hinaus können ein Belastungs-EKG, eine Herzultraschalluntersuchung oder sogar eine Herzkatheteruntersuchung notwendig werden. Häufig ist aber auch als Goldstandard eine Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) mit anschließender Beseitigung der Herzrhythmusstörung erforderlich.
Abhängig von der Art der Rhythmusstörung wird Ihr Arzt Ihnen entweder eine medikamentöse oder eine invasive Therapie vorschlagen, bei der im Rahmen einer Elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) die Störung durch eine Verödungsbehandlung (Ablation) beseitigt und somit geheilt werden kann. In Einzelfällen kann die Herzrhythmusstörung auch durch einen externen Stromimpuls (Kardioversion) beseitigt werden.
Die Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
Im Rahmen unserer Rhythmussprechstunde (Kontakt: Sekretariat Dr. Schlüter/Prof. Omran) oder aber am Aufnahmetag im Krankenhaus werden Sie über die Elektrophysiologische Untersuchung und ggf. Verödungsbehandlung sowie über die Erfolgsaussichten und eventuellen Risiken aufgeklärt. Zudem werden vor der Untersuchung, bestimmte und vom Einzelfall abhängige Untersuchungen (z. B. Laboruntersuchung, EKG) durchgeführt. Die Elektrophysiologische Untersuchung findet in einem speziell ausgestatteten Herzkatheterlabor statt, das neben diversen Geräten und Monitoren eine Röntgenanlage beherbergt, um die Katheter, die benötigt werden, in Ihrem Herzen sichtbar machen zu können.
Zur Vorbereitung auf die Untersuchung werden die Schwestern und Pfleger Sie mit EKG-Elektroden an einen Herzmonitor anschließen, um den Herzrhythmus dauerhaft überwachen zu können. Zudem werden der Blutdruck und der Sauerstoffgehalt im Blut kontinuierlich gemessen. Wie in einem Operationssaal werden Sie dann mit einem sterilen Tuch abgedeckt, damit keine Keime in den Blutkreislauf gelangen.
Der Zugangsweg zu Ihrem Herzen ist für uns im Allgemeinen die Vene in der Leistenregion. Die Einstichstelle wird zunächst örtlich betäubt, dann wird die Vene mit einer dünnen Nadel punktiert, um über einen sehr dünnen Draht eine Schleuse (dünnes Plastikröhrchen) in das Blutgefäß einlegen zu können. Unter kontinuierlicher Röntgenkontrolle werden dann die dünnen Herzkatheter in je nach Rhythmusstörung unterschiedlicher Anzahl in Ihr Herz vorgebracht.
Anschließend wird in den meisten Fällen zunächst versucht, die zu behandelnde Rhythmusstörung auszulösen. Dies geschieht durch das – schmerzlose – Setzen von kleinen Impulsen über die Herzkatheter, die Ihr Herz schneller schlagen lassen und auch zum Stolpern bringen. Gelegentlich werden zusätzlich Medikamente verabreicht, um den Kreislauf anzuregen und die Rhythmusstörung leichter auslösen zu können. Sobald sich die Rhythmusstörung zeigt, ist es möglich, über die liegenden Herzkatheter Signale aus dem Herzen zu empfangen, die uns eine exakte Diagnose ermöglichen, und die notwendige Verödungsbehandlung einzuleiten.
Im Folgenden werden die häufigsten Herzrhythmusstörungen, die einer Ablationsbehandlung zugänglich sind, kurz im Einzelnen dargestellt.
Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT)
Bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) handelt es sich um eine angeborene und gutartige Störung, die sehr häufig im jungen Erwachsenenalter, gelegentlich auch erst in fortgeschrittenem Alter, auftritt. Es kommt anfallsartig zu einem regelmäßigen Herzrasen mit einer Herzfrequenz zwischen 150 und 220 pro Minute. Viele Patienten, die an dieser Störung leiden, kennen das wiederkehrende Herzrasen bereits seit geraumer Zeit und haben Tricks entwickelt, um das Herzrasen kurzfristig zu beenden, etwa das Trinken von kaltem Wasser oder das Luftanhalten und „Pressen von Luft in den Bauch“. Oft ist es schwierig, die Diagnose frühzeitig zu stellen, da das Rasen mitunter nur für wenige Minuten anhält und den Bemühungen, es mit einem EKG aufzuzeichnen, entgeht. Erfahrungsgemäß lässt sich diese Störung dauerhaft nur unzureichend durch Medikamente beeinflussen und neigt dazu, mit zunehmendem Alter immer öfter aufzutreten.
Ursache für eine AVNRT ist ein doppelt angelegter Hauptreizleiter im Herzen, welche im Bereich des AV-Knotens (einziger elektrischer Durchtritt zwischen Vor- und Hauptkammern des Herzens) lokalisiert ist. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es durch einzelne Extraschläge zu einer Kurzschlussverbindung und damit zu einem Herzrasen kommen.
Im Rahmen der Verödungsbehandlung wird mit einem speziellen Katheter die Stelle der zusätzlichen Leitungsbahn in der rechten Vorkammer des Herzens aufgesucht. Durch Applikation von Hochfrequenzenergie wird die Spitze des Katheters auf etwa 50° C erhitzt, wodurch die Leitfähigkeit des Gewebes dauerhaft beeinträchtigt wird (verödet). Während der Energieabgabe kann in Einzelfällen ein Druckgefühl im Brustkorb entstehen, welches durch Gabe von Schmerzmitteln über die Vene effektiv unterdrückt werden kann.
Insgesamt dauert die Untersuchung etwa ein bis zwei Stunden.
Die Erfolgsrate ist bei dieser Form der Verödungsbehandlung sehr hoch und liegt bei 95%, die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gewebe erholt und die Rhythmusstörung zurückkehrt, hingegen nur bei 5%. Auch die Rate der möglichen Komplikationen ist als sehr gering einzustufen. Neben Komplikationen im Bereich der Leiste (Nachblutung, Verletzung von Gefäß- und Nervenstrukturen) sind hier mögliche Nebenwirkungen durch die Energieabgabe selbst zu nennen (Ergussbildung im Herzbeutel, Verletzung des AV-Knotens mit nachfolgender Schrittmacherabhängigkeit), die jedoch nur äußerst selten auftreten.
Das WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom)
Bei dieser Form der – ebenfalls angeborenen – Herzrhythmusstörung liegt eine zusätzliche Leitungsbahn zwischen Vor- und Hauptkammer des Herzens vor. Diese kann sowohl im Bereich der rechtsseitigen als auch der linksseitigen Herzhöhlen lokalisiert sein, so dass sich das Aufsuchen der Leitungsbahn u. U. langwieriger gestalten kann. Gelegentlich zeigt sich die Anomalie bereits im EKG durch eine sogenannte Delta-Welle. Auch diese Patienten leiden unter anfallsartig auftretendem Herzrasen, welches meist im jungen Erwachsenenalter erstmalig zu Tage tritt. In Verbindung mit Vorhofflimmern können hier Herzfrequenzen über 250 Schläge/min erreicht werden.
Die Verödungsbehandlung läuft ähnlich wie bei der AVNRT ab. Falls die zusätzliche Leitungsbahn auf der linken Seite des Herzens (zwischen linker Vor- und Hauptkammer) lokalisiert ist, wird der Ablationskatheter über die Arterie in der Leiste vorgebracht. Manchmal kann es auch notwendig werden, den Katheter über die Leistenvene von der rechten Vorkammer durch die Vorhofscheidewand in die linke Vorkammer vorzubringen (transseptale Punktion), um eine bessere Steuerbarkeit des Ablationskatheters zu erzielen.
Auch die Ablation eines WPW-Syndroms ist mit einer hohen Erfolgsrate (>90%) und einer sehr niedrigen Komplikationsrate (im Wesentlichen wie bei der AVNRT) verbunden.
Typisches Vorhofflattern
Das typische Vorhofflattern ist eine Rhythmusstörung, die im Erwachsenen- oder fortgeschrittenen Erwachsenenalter auftritt. Die Vorkammer des Herzens schlägt zwar regelmäßig, aber deutlich zu schnell. im Allgemeinen wird nicht jeder Impuls aus der Vorkammer auf die Hauptkammer übertragen, so dass die Herzfrequenz in der Hauptkammer (der tastbare Puls) zu langsam, normal oder zu schnell sein kann. Die Diagnose kann eindeutig anhand des EKG gestellt werden. Ursache für das Vorhofflattern können erhöhter Blutdruck, Herzklappenfehler oder Durchblutungsstörungen des Herzens sein, oft lässt sich jedoch auch keine zugrunde liegende Erkrankung feststellen.
Wenn das Herz durch die Rhythmusstörung über einen längeren Zeitraum zu schnell schlägt, besteht die Gefahr, dass sich eine Herzschwäche (der Herzmuskel arbeitet nicht kräftig genug) ausbildet. Zudem können sich bei dieser Form der Herzrhythmusstörung Gerinnsel im Herzen bilden, die zu Verstopfungen von Arterien und damit z. B. zu einem Schlaganfall führen können.
Die Verödungsbehandlung des typischen Vorhofflatterns ist vergleichsweise unkompliziert. Die elektrische Erregung passiert im Bereich der rechten Vorkammer immer eine anatomische Engstelle, den sogenannten cavotrikuspidalen Isthmus, der sich zwischen einer bestimmten Herzklappe (Trikuspidalklappe) und einer einmündenden Vene (Vena cava inferior) befindet. Eine Verödungslinie in diesem Bereich unterbricht die Rhythmusstörung dauerhaft und zuverlässig – und das bei einer sehr niedrigen Komplikationsrate.
Vorhofflimmern
Das Vorhofflimmern ist die häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung und gilt als Volkskrankheit Nummer 1 bei Menschen über 70 Jahre. Allein in Deutschland leiden darunter etwa eine Million Menschen.
Vorhofflimmern ist nicht lebensbedrohlich, kann aber wie das zuvor besprochene typische Vorhofflattern ebenso zu Komplikationen (Herzschwäche, Gerinnselbildung) führen. Das Schlaganfallrisiko hängt vom Alter und den Begleiterkrankungen ab und beträgt bis zu 8 Prozent pro Jahr. Daher sind in vielen Fällen Medikamente zur Blutverdünnung (z. B. Marcumar®) erforderlich, um das Embolierisiko (Verschleppung von Gerinnseln) weitgehend zu reduzieren. Schlaganfälle sind neben dem Herzinfarkt die häufigste herz- und kreislaufbedingte Todesursache in Deutschland. 15 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen, das sind fast 40.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland. Aber auch jüngere Menschen ohne fassbare Herz- oder Begleiterkrankung können Vorhofflimmern haben. Bei diesen Betroffenen, die etwa ein Zehntel aller Vorhofflimmerpatienten ausmachen, ist das Schlaganfallrisiko mit etwa einem Prozent pro Jahr gering, auch ohne Blutverdünnung.
Auch bei dieser Rhythmusstörung sind Risikofaktoren für die Entstehung erhöhter Blutdruck, Herzklappenfehler oder Durchblutungsstörungen, oft lässt sich jedoch auch keine zugrunde liegende Erkrankung feststellen. Während die Anfälle von Vorhofflimmern bei einigen Patienten scheinbar zufällig auftreten, können andere mehr oder weniger typische Auslöser nennen, nach denen Vorhofflimmerepisoden gehäuft anfangen. Bei jüngeren Menschen sind solche Auslöser vor allem Alkoholgenuss, üppiges Essen oder Stress. Bei manchen beginnt die Herzrhythmusstörung in den frühen Morgenstunden, bei anderen während oder unmittelbar nach körperlicher Aktivität.
Typisches Anzeichen des Vorhofflimmerns ist ein völlig unregelmäßiger Puls. Manchmal werden die entsprechenden Attacken jedoch gar nicht bemerkt oder anders eingeordnet – zum Beispiel als Müdigkeit, Benommenheit, Schwächegefühl oder Angst.
Die Abbildung zeigt eine EKG-Aufzeichnung bei Vorhofflimmern. Zu erkennen ist ein deutlich unregelmäßiger Puls.


Typisches Anzeichen des Vorhofflimmerns ist ein völlig unregelmäßiger Puls. Manchmal werden die entsprechenden Attacken jedoch gar nicht bemerkt oder anders eingeordnet – zum Beispiel als Müdigkeit, Benommenheit, Schwächegefühl oder Angst.
Es gibt unterschiedliche Formen von Vorhofflimmern. „Paroxysmales“ Vorhofflimmern tritt anfallsweise auf, hört also innerhalb einer gewissen Zeit von selbst wieder auf. „Persistierendes“ Vorhofflimmern muss durch Medikamente oder sogar einen elektrischen Stromstoß in Kurznarkose (elektrische Kardioversion) beendet werden. Das „permanente“ Vorhofflimmern schließlich besteht dauerhaft. Je früher Vorhofflimmern behandelt wird, desto größer sind die Chancen, es noch einmal in den regulären Herzrhythmus (Sinusrhythmus) überführen zu können. Nach Jahren besteht im Allgemeinen nur noch wenig Aussicht auf die dauerhafte Wiederherstellung des normalen Sinusrhythmus.
Untersuchungen bei Vorhofflimmerpatienten haben in den letzten Jahren gezeigt, dass es vor allem in der linken Vorkammer des Herzens Bezirke gibt, in denen spontane elektrische Impulse gebildet werden, die die Rhythmusstörung auslösen können. Am häufigsten finden sich diese Bezirke an der Einmündung der Lungenvenen in die linke Vorkammer. Mit dem Herzkatheter ist es möglich, diese Bereiche im Herzen zu erreichen und sie mit einer Katheterablation elektrisch zu isolieren. Mit dieser Methode kann ein Teil der Patienten mit Vorhofflimmern sehr effektiv behandelt werden.
Aufgrund der im Vergleich zu anderen Rhythmusstörungen komplexen Prozedur kommen vorab meist Medikamente zum Einsatz, die den normalen Rhythmus des Herzens (Sinusrhythmus) stabilisieren sollen. Im Rahmen dieser „rhythmus-erhaltenden“ Behandlung können neben Betablockern auch andere Antiarrhythmika (z. B. Flecainid, Propafenon, Dronedaron, Amiodaron) zum Einsatz kommen. Leider wirkt die medikamentöse Therapie bei vielen Patienten nicht auf Dauer, dazu kommt, dass Antiarrhythmika – wie alle anderen Medikamente auch – potentielle Nebenwirkungen haben, die einen Dauereinsatz oft erheblich stören.
Erst wenn rhythmusstabilisierende Medikamente nicht helfen oder schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten, sollten andere nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden erwogen werden, wie zum Beispiel die Katheterablation.
Virtuelle Anatomie der linken Vorkammer, die rechtsseitigen Lungenvenen (orangefarbene Punkte) sind bereits isoliert.
Bei dieser Prozedur werden die Lungenvenen (die sauerstoffreiches Blut von der Lunge in die linke Vorkammer des Herzens transportieren) elektrisch isoliert, damit sich die störenden Impulse, die hier oftmals ihren Ursprung haben, nicht weiter ausbreiten können. Um die elektrische Leitfähigkeit zu überprüfen, werden sogenannte Spiral- oder Lasso-Katheter am Anfang der Lungenvenen platziert. Durch Hochfrequenzstrom wird die Metallspitze des Katheters erhitzt, so dass es an den Stellen im Herzgewebe, die von dieser Spitze berührt werden, zu punktförmigen Verödungsnarben kommt. Durch das Aneinanderreihen vieler kleiner Verödungspunkte werden hier um die Lungenvenen herum kleine komplette Narbenstraßen gezogen, die die elektrische Aktivität der Lungenvenen blockieren (im Bild oben die gelben und roten Punkte). In unserem Zentrum kommen sogenannte 3D-Mapping-Verfahren zum Einsatz, mit denen eine individuelle „Landkarte“ des Vorhofes erstellt werden kann. Zur exakten Planung der Prozedur erhalten unsere Patienten am Tag vor der Untersuchung entweder eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens. Zudem muss das Herz einmal per Ultraschall durch die Speiseröhre untersucht werden (TEE = Transösophageale Echokardiographie), um eine bereits vorliegende Gerinnselbildung auszuschließen.
Die Prozedur der Vorhofflimmerablation dauert im Vergleich zu einer Ablation bei anderen Herzrhythmusstörungen länger und ist technisch aufwendiger. Daher liegt die Komplikationsrate hier ein wenig höher. Zunächst können wie bei allen Herzkatheteruntersuchungen durch die Punktionen im Bereich der Leiste Verletzungen entstehen, zum Beispiel kann es zu einer Nachblutung kommen, es können große Blutergüsse entstehen. Das Risiko für eine notwenige operative Korrektur einer solchen Verletzung ist als gering einzustufen. Darüber hinaus kann sich vor allem durch die transseptale Punktion (Punktion der Vorhofscheidewand) ein Bluterguss im Herzbeutel ausbilden, der gelegentlich auch von außen (unterhalb des Brustbeines) abgesaugt werden muss.
An der erhitzten Katheterspitze können sich theoretisch Blutgerinnsel bilden, die schließlich einen Schlaganfall auslösen könnten. Gleich nach der Punktion der Vorhofscheidewand wird das Blut durch gerinnungshemmende Medikamente (Heparin) verdünnt und alle 30 Minuten der Gerinnungswert kontrolliert. Das Risiko für einen Schlaganfall liegt durch diese Sicherheitsmaßnahmen bei < 1%.
Dadurch, dass die Abgabe von Hochfrequenzstrom nicht mehr innerhalb der Lungenvenen erfolgt, ist auch eine Verengung oder gar ein Verschluss einer Lungenvene selten geworden (Risiko kleiner als 1 Prozent).
Hinter der Rückwand des linken Vorhofes verläuft die Speiseröhre. Bei einzelnen Patienten ist es zu einer Fistel gekommen, das heißt, es hat sich ein Gang zwischen Speiseröhre und Vorhof gebildet, durch den Luft in das Herz eindringen kann. Dies kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Das Risiko für eine Fistel liegt im Bereich 0,01-0,02 Prozent. In unserem Zentrum wird zudem eine Temperatursonde in der Speiseröhre verwendet, um das Risiko weiter zu minimieren.
Die Erfolgsrate einer Vorhofflimmerablation liegt in Abhängigkeit von der Form der Rhythmusstörung (anfallsweise oder anhaltend) bei etwa 70 bis 80 Prozent, wobei ein Teil der Patienten zwei bis drei Ablationssitzungen in Kauf nehmen muss, um einen anhaltenden Erfolg zu erzielen.
Die Kammertachykardie
Bei dieser Form der Herzrhythmusstörung ist der Ursprung bzw. der Entstehungsort die rechte oder linke Herzkammer. Es gibt gutartige Formen, die sogenannte idiopathischen Kammertachykardien, die im rechts- oder linksventrikulären Ausflusstrakt (bestimmte anatomische Region in der Herzkammer) lokalisiert sind. Häufig entstehen Kammertachykardien aber auf dem Boden einer schweren Grunderkrankung des Herzens, z. B. einer schweren Durchblutungsstörung, nach Herzinfarkten, bei einer Herzschwäche oder Herzmuskelerkrankungen. Diese Formen der Herzrhythmusstörung sind bösartig und potentiell lebensbedrohlich. In bestimmten Fällen muss ein Defibrillator (spezieller Herzschrittmacher) implantiert werden, der Kammertachykardien oder gar Kammerflimmern (entspricht einem Herzstillstand und führt unbehandelt zum Tode) beenden kann.
In anderen Fällen sind Kammertachykardien jedoch auch einer Ablationstherapie zugänglich. Unter Umständen kann es sehr aufwändig sein, den exakten Ort der Störungen auszumachen und zu veröden.
Das Elektrophysiologie-Labor ist ein sicherer Ort
Auch wenn Sie Ihre Herzrhythmusstörung im Alltag als bedrohlich wahrnehmen: Das Elektrophysiologie-Labor ist ein sicherer Ort. Aufgrund der technischen und medikamentösen Ausstattung und in erster Linie der langjährigen Erfahrung des gesamten Teams ist es uns möglich, plötzlich auftretende unerwünschte Herzrhythmusstörungen jederzeit sofort zu beenden und Komplikationen jeglicher Art sicher zu beherrschen.
Nach der Untersuchung
Nach Abschluss der Untersuchung werden alle Katheter und Schleusen wieder entfernt und die Punktionsstellen zunächst mit einem Druckverband über 4 bis 6 Stunden (während dieser Zeit Bettruhe), später mit Pflasterverbänden versorgt. Mit Hilfe der Herzultraschalluntersuchung werden Komplikationen (Bluterguss im Herzbeutel) ausgeschlossen. Zudem werden unsere Patienten nach bestimmten komplexen Prozeduren für eine Zeit auf der Intensivstation überwacht.
Nach der Entlassung
Grundsätzlich ist in den ersten zehn Tagen körperliche Schonung angeraten, damit es im Bereich der Einstichstellen nicht zu Nachblutungen kommt. Dies gilt insbesondere deshalb, weil bei bestimmten Rhythmusstörungen für die ersten Wochen die Blutverdünnungstherapie noch weiter fortgesetzt werden muss, um Gerinnselbildung an der Narbenoberfläche im Herzinneren zu verhindern. Anschließend gibt es keine generelle Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Auch ist es möglich, dass Sie nach einer Ablation bestimmte Rhythmusmedikamente noch für eine Weile weiternehmen müssen. Dies wird im individuellen Fall besprochen und festgelegt. In der Zeit der Nachbetreuung, die entweder von Ihrem Hausarzt oder niedergelassenen Kardiologen oder aber zusätzlich von uns (in der Rhythmussprechstunde) vorgenommen wird, können verschiedene Untersuchungen nötig werden (z. B. Langzeit-EKG), um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen.
Viele Patienten sind nach der Katheterablation ihrer Rhythmusstörung dauerhaft geheilt, benötigen weniger oder gar keine Medikamente mehr und gewinnen damit ihre ursprüngliche Lebensqualität zurück!
Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne im Rahmen der Rhythmussprechstunde (auf Zuweisung Ihres niedergelassenen Kardiologen) oder im Rahmen des Aufnahmegespräches.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Das sogenannte persistierende Foramen ovale (PFO) ist eine angeborene Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens. Das PFO ist bei dem Embryo notwendig, um das sauerstoffreiche Blut unter Umgehung der noch nicht funktionsfähigen Lunge, in den linken Vorhof und dann in den Körperkreislauf zu leiten. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um ein einfaches Loch zwischen der rechten und linken Vorkammer. Das PFO ist vielmehr ein Schlitz zwischen zwei Membranen (Septen).
Bei ca. 75% aller Menschen schließt sich diese Verbindung unmittelbar nach der Geburt. Bei den übrigen ca. 25% der Menschen bleibt sie offen. In diesem Fall kann das Blut aus dem rechten Vorhof unter Umgehung des Lungenkreislaufs in den linken Vorhof gelangen.
Wie häufig kommt ein PFO vor?

Persistierende Foramen ovale (PFO): angeborene Verbindung zwischen rechtem und linkem Vorhof des Herzens
Die Häufigkeit eines PFOs variiert mit dem Alter und dem untersuchten Patientenkollektiv. Bei einer Autopsie-Untersuchung von 965 so genannten herzgesunden Patienten fand man ein PFO in 27% der Fälle. Es bestand kein Unterschied zwischen Männern und Frauen.
Mit zunehmendem Alter nahm die Häufigkeit eines PFOs ab, allerdings wurden die PFOs größer (6 mm Durchmesser bei Patienten > 80 Jahre).
Was ist ein Vorhofseptumaneurysma?

Das PFO kann mit anderen angeborenen Veränderungen des Herzens einhergehen. Neben einem PFO kann noch eine Vorwölbung bzw. Aussackung der Scheidewand (Vorhofseptumaneurysma) zwischen rechtem und linkem Vorhof bestehen.
Die Häufigkeit eines Vorhofseptumaneurysmas hängt vom untersuchten Patientenkollektiv ab. In unselektionierten Patientengruppen liegt die Häufigkeit zwischen 1 und 5%. Bei Patienten mit Schlaganfall beträgt die Häufigkeit 8 bis 15%. Sehr wichtig ist, dass die Häufigkeit eines Vorhofseptumaneurysma bei Patienten mit PFO deutlich höher ist (19%).
Welche Bedeutung hat ein PFO?
In den meisten Fällen bleibt ein PFO ohne jede Folge. Allerdings wissen wir aus vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass bei ungeklärten Schlaganfällen (kryptogener Schlaganfall) überproportional häufig ein PFO vorkommt. Schlaganfälle bleiben in bis zu 40% der Fälle ungeklärt. Die meisten dieser Schlaganfälle sind auf Embolien zurückzuführen. Ferner weiß man, dass die PFOs bei Patienten mit Schlaganfall deutlich größer sind als die bei Patienten ohne Schlaganfall. Damit ein PFO zu Schlaganfällen führen kann, muss der Druck in der rechten Vorkammer zumindest zwischenzeitlich größer als in der linken Vorkammer sein, um so einen Blutstrom von der rechten in die linke Vorkammer zu ermöglichen. Auch hier konnten Studien zeigen, dass Patienten mit kryptogenem Schlaganfall in 84% einen spontanen Blutstrom zwischen dem rechten und linken Vorhof haben.
Desweiteren ist eine Migräne häufig mit einem PFO mit begleitendem Blutstrom zwischen rechter und linker Vorkammer assoziiert, also alsbald der Druck in der rechten denjenigen in der linken Vorkammer übersteigt.
Bei Tauchern kann ein PFO über eine Embolie aus einer Luftblase zu einer Dekompressionerkrankung führen. Sehr seltene andere Manifestationen eines PFOs können ein akuter Herzinfarkt, eine systemische Embolie und Fettembolien sein.
Wie wird ein PFO festgestellt?

Transösophageale Echokardiographie (Ultraschall über die Speiseröhre)
Ein PFO kann ohne besonderen Aufwand mit Hilfe von Ultraschall diagnostiziert werden. Die wichtigste Methode ist die transösophageale Echokardiographie.
Eine Verbindung zwischen rechter und linker Vorkammer kann auch mit Hilfe des transkraniellen Dopplers dokumentiert werden. Eine genaue morphologische Untersuchung des PFOs ist allerdings nur mit der transösophagealen Echokardiographie möglich. Ein weiterer Vorteil der transösophagealen Echokardiographie ist, dass man mit dieser Methode auch noch weitere kardiogene Emboliequellen (Blutgerinnsel im Herzen, Veränderungen der Hauptschlagader u. v. m.) ausschließen kann. Die Durchführung einer transösophagealen Echokardiographie ist bei allen Patienten mit kryptogenem Schlaganfall sinnvoll.
Wie kann man ein PFO behandeln?

Bei Patienten mit einem Schlaganfall gibt es bei zusätzlich bestehendem PFO mit oder ohne Vorhofseptumaneurysma prinzipiell sowohl medikamentöse als auch interventionelle Therapieoptionen (Sekundärprävention). Die Wahl des Vorgehens sollte daher immer individuell abgestimmt werden.
Medikamentöse Therapie
Eine Antikoagulation (Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten) nach Schlaganfall bei PFO ist heute Standard. Daher ist der natürliche Verlauf von solchen Patienten ohne medikamentöse Therapie nicht bekannt. Üblicherweise wird Acetylsalicylsäure (ASS) verabreicht. Eine französische Studie konnte zeigen, dass bei Patienten mit PFO eine Gabe von ASS die Häufigkeit einer Embolie nahezu halbiert. Ob eine stärkere Antikoagulation (z. B. mit Marcumar) bei Patienten mit isoliertem PFO sinnvoll ist, ist nicht bekannt. Die PICSS Studie (2003) konnte keinen Unterschied zwischen ASS und Warfarin (ähnliche Wirkung wie das in Deutschland gebräuchliche Marcumar) finden. Wichtig ist, dass Patienten mit PFO und Vorhofseptumaneurysma ein sehr hohes Embolierisiko haben. In der o. g. französischen Studie hatten 15,2% dieser Patienten trotz ASS Gabe einen erneuten Schlaganfall. Daher erhalten Patienten mit PFO und Vorhofseptumaneurysma häufig eine stärkere Antikoagulation mittels Marcumar.
Interventioneller oder operativer Verschluß eines PFOs
Ein Verschluss des PFOs kann prinzipiell operativ (mit Schnitt und Eröffnung des Brustkorbs) oder interventionell, d. h. ohne Narbe mit Hilfe eines Herzkatheters, erfolgen. Kürzlich konnte in einer großen nordamerikanischen Studie gezeigt werden, dass im Vergleich zur medikamentösen Therapie der interventionelle Verschluß des PFOs zu einer Reduktion von Schlaganfällen führt. Ein interventioneller Verschluss ist bei Patienten mit erneuten Ereignissen unter medikamentöser Therapie, bei Patienten, die Medikamente nicht vertragen und bei Hochrisikopatienten sinnvoll.
Chirurgie
Der Vorteil eines chirurgischen Verschlusses eines PFOs ist nicht erwiesen. In einer Beobachtung von 91 Patienten mit chirurgischen Verschluss des PFOs hatten 17% der Patienten nach vier Jahren wieder Ereignisse. Insbesondere ältere Patienten scheinen ein erhöhtes Rezidivrisiko (= Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden) zu haben.
Interventioneller perkutaner Verschluss des PFOs
Seit mehr als 20 Jahren stehen Geräte zum interventionellen Verschluss des PFOs zur Verfügung. Diesen Geräten ist gemeinsam, dass diese über einen Herzkatheter eingeführt werden und dann das PFO mit einem Schirm verschlossen wird.
Ein PFO Verschluss mittels dieser Geräte kann in kurzer Zeit ohne relevante Strahlenbelastung sehr erfolgreich und mit einer sehr geringen Komplikationsrate durchgeführt werden. In mehreren Studien wurde der Frage nachgegangen, ob der interventionelle bzw. perkutane Verschluss eines PFOs besser als die medikamentöse Therapie ist.
2003 wurde eine große Übersichtsarbeit zu diesem Thema publiziert. Dabei wurden die Ergebnisse von 1355 Patienten, die interventionell behandelt wurden, mit den Ergebnissen von 895 medikamentös behandelten Patienten verglichen. Die Rate neurologischer Ereignisse lag bei 0-4,9% bei den interventionell behandelten Patienten und bei 3,8-12,0 % bei den medikamentös behandelten Patienten. Größere Komplikationen traten bei interventionellen Verschluss in ca. 1,5% der Fälle auf. Im weiteren Verlauf wurden noch mehrere Studien zu diesem Thema veröffentlicht. Alle Studien zeigten eine geringere Embolierate des interventionellem Verschlusses. Andere Studien konnten keinen relevanten Unterschied zwischen verschiedener interventionellen Geräte darstellen. Entscheidend ist ein möglichst vollständiger Verschluss des PFOs.
Empfehlungen zum interventionellen Verschluss des PFOs
Da bislang noch keine abschließenden Vergleiche zwischen medikamentöser und interventioneller Therapie des PFOs vorliegen, muss die Indikation zum PFO Verschluss immer individuell abgestimmt werden. Die Fachgesellschaften empfehlen einen interventionellen PFO Verschluss, wenn erneute embolische Ereignisse unter medikamentöser Therapie aufgetreten sind oder Hochrisikomerkmale vorliegen. Ein interventioneller Verschluss kann auch bei Unverträglichkeit von Medikamenten sinnvoll sein. Eine gründliche Untersuchung des PFOs und der Vorhofanatomie sind in jedem Fall wichtig, um festzustellen, ob ein interventioneller Verschluss prinzipiell möglich ist.
Empfehlung zur Vorbereitung eines PFO-Verschlusses
Sie werden in aller Regel stationär aufgenommen. Falls nicht vom behandelnden Arzt erfolgt, wird die Indikation zum PFO-Verschluss überprüft.
Folgende technische Untersuchungen werden gefordert:
- vollständiges Labor inkl. Gerinnungsstatus
- EKG (Ausschluss von Vorhofflimmern)
- Transthorakale Echokardiographie und transoesophageale Echokardiographie
- Röntgen-Bild des Brustkorbs
Auf eine erneute transoesophageale Echocardiographie kann dann verzichtet werden, wenn eine adäquate Video- oder CD-Dokumentation vorliegt und das PFO eindeutig beurteilt werden kann.
Sie werden vor dem PFO Verschluss über das Vorgehen und den Eingriff schriftlich aufgeklärt. Prinzipiell kann der Eingriff in örtlicher Betäubung und Sedierung durchgeführt werden. Schmerzen haben Sie während der Untersuchung nicht. Gelegentlich ist eine Kurznarkose sinnvoll, daher werden Sie auch dem Anästhesisten vorgestellt. Dies sollte in der Regel am Vortag der Untersuchung geschehen.
Umgang mit Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern
Eine orale Antikoagulation (z. B. Einnahme von Marcumar) soll 5-7 Tage vor dem Verschluss unterbrochen werden, so dass der INR-Wert zum Zeitpunkt des Eingriffs unter 1,5 liegt. Mindestens 24 Stunden zuvor sollte Acetylsalicylsäure 100 mg – sofern nicht kontraindiziert – verabreicht werden. Ferner sollten Sie mit Clopidogrel, 300 mg, behandelt werden, einem Medikament, das die Aktivität der Blutplättchen hemmt. Falls der Patient schon dauerhaft Clopidogrel einnimmt, reichen 75 mg pro Tag. Am Tag des PFO Verschluss sollen statt Aspirin 100 mg, 300 mg Aspirin verabreicht werden. 75 mg Clopidogrel werden ebenfalls eingenommen. Unmittelbar vor dem Eingriff sollten Sie zur Endokarditisprophylaxe ein Antibiotikum (Aminopenicillin) intravenös bekommen, um einer Infektion des Gewebes im Umfeld des Gerätes zusätzlich vorzubeugen.
Während des gesamten Verfahrens wird der Patient vollständig antikoaguliert. Dazu wird in der Regel Heparin verwendet. Bitte teilen Sie dem behandelndem Arzt mit, wenn Sie kein Heparin vertragen. Die Gerinnung des Blutes ist daher für mindestens 2-4 Stunden nach dem Eingriff deutlich verzögert.
Nach dem PFO Verschluss sollten Sie mindestens 3 Monate lang kombiniert Acetylsalicylsäure und Clopidogrel erhalten. Ferner soll bis zur vollständigen Einheilung des Gerätes über 6 Monate eine Endokarditisprophylaxe betrieben werden.
Verlaufsbeobachtung
Nach dem Eingriff werden die Vitalparameter wie Puls, Blutdruck und Temperatur, überwacht. Am Folgetag ist eine Röntgen-Thorax-Untersuchung und eine Laboruntersuchung vorzunehmen. Ferner sollte eine transthorakale Echocardiographie zur Bestimmung der Lokalisation des Gerätes und zum Ausschluss eines Perikardergusses erfolgen.
Langfristige Verlaufskontrollen
Empfohlen werden EKG und Röntgenuntersuchungen sowie eine transoesophageale Echocardiographie nach 3 Monaten, um Auflagerungen auf dem Gerät auszuschließen, bevor die Therapie mit Blutplättchenhemmern abgesetzt wird.
Vorsichtsmaßnahmen und Kontraindikationen
Ein PFO-Verschlusssystem ist immer dann nicht indiziert, wenn der Schlaganfall des Patienten auf eine erkennbare Ursache zurückgeführt werden kann, z. B. auf einen intrakardialen Thrombus, eine künstliche Herzklappe etc. Vorsicht gilt auch bei Patienten mit bestehender Entzündung der Arterien. Bei aktiver Infektion oder Bakteriämie kann das Gerät nicht implantiert werden. Vorbekannte, unkontrollierbare Allergien gegen Kontrastmittel, Iridium, Nickel, Nitinol, Platin oder Edelstahl verbieten ebenfalls den Eingriff. Ein PFO Verschluss ist immer dann kontraindiziert, wenn der Patient keine blutplättchenhemmende Medikation einnehmen kann. Technische Probleme können dann auftreten, wenn früher schon einmal ein PFO-Verschluss durchgeführt worden ist, ein sehr großes Septumaneurysma (>2 cm) vorliegt oder der Patient mehrere Septumdefekte hat. Bei Patienten mit frischer Schrittmacher- oder Defibrillatorsystem-Implantation (<3 Monate) ist die Implantation eines PFO-Verschlusssystems nicht indiziert.
Allgemeine Empfehlungen für Patienten mit PFO oder Vorhofseptumdefekt
Unabhängig von der Art der Behandlung des PFOs sollten sich alle Patienten versuchen so zu verhalten, dass das Risiko durch ein PFO Embolie zu erleiden, möglichst gering gehalten wird. Die Patienten sollten Bewegungen vermeiden, die einen Blutfluß zwischen rechten und linken Vorhof auslösen bzw. verstärken. Starkes Pressen beim Stuhlgang, Heben schwerer Gegenstände und sehr kräftiges Husten sollte vermieden werden. Da die Embolien häufig durch Thrombosen in den tiefen Beinvenen verursacht werden, sollte eine Verlangsamung des Blutflusses in den Beinvenen vermieden werden. Die Patienten sollten im Sitzen nicht die Beine kreuzen und nicht lange auf einer Stelle stehen. Bei längerer Immobilisation oder auch Bettlägerigkeit ist eine Thromboseprophylaxe sinnvoll. Generell sollte geklärt werden, ob schon früher eine Thrombose aufgetreten ist.
Eine Alternative zur lebenslangen Antikoagulation
In Deutschland erleiden pro Jahr ca. 300.000 Menschen einen Schlaganfall. Wahrscheinlich wird ein großer Teil kleinerer Schlaganfälle gar nicht bemerkt. Ungefähr ein Fünftel bis ein Viertel aller Schlaganfälle wird auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückgeführt. Vorhofflimmern ist eine häufige Erkrankung des Erwachsenenalters und nimmt mit zunehmendem Alter erheblich zu.
Heute kann man Schlaganfällen bei Vorhofflimmern auch ohne Blutverdünner vorbeugen. Schlaganfälle bei Vorhofflimmern werden durch Blutgerinnsel verursacht, die in einem Blindsack im Herzen, dem sogenannten Vorhofohr, entstehen. Gerade bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko kann man mit Hilfe eines Herzkatheters den Ursprungsort der Blutgerinnsel, das Vorhofohr, mit einer Art Korken verschließen. Dann können dort keine Blutgerinnsel mehr entstehen und Sie müssen nicht mehr dauerhaft Blutverdünner einnehmen.

Vorhofohr mit Thrombus

Schlaganfall im CT

Schwere Hirnblutung
Hintergrund
Ungefähr ein Fünftel bis ein Viertel aller Schlaganfälle wird auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückgeführt. Infolge des Vorhofflimmerns wird das Blut in den Vorhöfen schlechter durchmischt und fließt langsamer. Es können Blutgerinnsel (Thromben) entstehen, insbesondere dort, wo der Blutfluss sehr langsam ist. Dies ist insbesondere im Vorhofohr, einer Art Blinddarm des Herzens, der Fall. So entstehen Thromben in weit über 90% der Fälle hier.
Löst sich ein solches Gerinnsel ab, kann es prinzipiell in alle Körperteile verschleppt werden (Embolie) und Infarkte verursachen. Verschließt ein Thrombus eine Hirnarterie, kommt es zu einem Schlaganfall. Dies ist die schwerste Komplikation von Vorhofflimmern. Schon Anfang der 60er Jahre konnte man zeigen, dass man mit Hilfe von Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen, das Risiko von Emboliensenken kann. Das allgemein bekannte Aspirin senkt die Rate von Schlaganfällen um ca. 20% pro Jahr, während stärkere, die Blutgerinnung beeinflussende Medikamente, wie z. B. Marcumar®, das Risiko sogar um 60% senken können.
Allerdings hat eine Münze immer zwei Seiten. Medikamente können zwar das Risiko von Schlaganfällen senken, erhöhen aber auch das Risiko von Blutungen. Schwere Blutungen treten durchschnittlich in ca. 3% der Fälle pro Jahr auf. Blutungen in den Kopf oder das Gehirn sind besonders gefürchtet und treten mit einer Häufigkeit von 0,5 bis 1% pro Jahr auf.
Diese Schwierigkeiten mit gerinnungsaktiven Medikamenten haben die Forschung stimuliert, Alternativen zu entwickeln. Statt Medikamente zu benutzen, entwickelte man ein Verfahren, den Entstehungsort von Blutgerinnseln im Herzen, das Vorhofohr, über einen Herzkatheter zu verschließen und so mechanisch der Entstehung von Thromben vorzubeugen.
Nachdem dieses Verfahren in Tiermodellen untersucht worden war, haben Prof. Sievert und ich im August und September 2001 das Verfahren erstmals beim Menschen erfolgreich durchgeführt. In den letzten 10 Jahren wurde es wissenschaftlich aufgearbeitet und weiterentwickelt. In einer großen Studie konnte gezeigt werden, dass das Verfahren einer medikamentösen Therapie nicht unterlegen ist und das Risiko von Blutungen deutlich senkt.
Anatomie und Funktion des Vorhofohres
Das Herz besteht aus vier Herzhöhlen. Man unterscheidet die linke und rechte Hauptkammer sowie den linken und rechten Vorhof. Die Vorhöfe transportieren das Blut in die Hauptkammern, aus denen es entweder in den Lungenkreislauf oder in den Körperkreislauf transportiert wird. An den Vorhöfen gibt es jeweils einen blindsackartigen Anhang. Diesen nennt man Vorhofohr.
Schlägt das Herz im natürlichen Rhythmus, d. h. im Sinusrhythmus, unterstützt die Kontraktion des Vorhofs die Füllung der jeweiligen Hauptkammer. Unter Vorhofflimmern verliert der Vorhof diese Funktion weitgehend und das Blut fließt langsamer in den Vorhöfen. Hält Vorhofflimmern länger an, werden die Vorhöfe und auch die Vorhofohren größer. Der langsame Blutfluss, insbesondere in den Vorhofohren, begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln. Diese bilden sich dann auch typischerweise in der Spitze des linken Vorhofohres.
Wie kann man das Vorhofohr verschließen?
Bis vor einem Jahrzehnt konnte man das Vorhofohr ausschließlich im Rahmen einer Operation am offenen Herzen verschließen oder abschneiden. Der Operateur band am Ende einer Herzklappenoperation bei Vorhofflimmern das Vorhofohr mit einem Faden zu oder schnitt es ab und versiegelte den Stumpf mechanisch. Zweifelsfrei ist eine Operation am offenen Herzen für jeden Patienten eine erhebliche Belastung. Daher wird der operative Verschluss des Vorhofohres auch nur im Zusammenhang mit anderen Operationen durchgeführt, z. B. einem Herzklappenersatz.
Michael Lesh, ein Erfinder und Arzt, entwickelte Ende der 90er Jahre ein alternatives Verfahren, das auf einem Herzkatheter basierte. Die Idee war, das Vorhofohr nicht abzuschneiden oder mit einem Faden zu verschließen, sondern von innen quasi zu verkorken. Der Vorhofohrkorken war geboren. Das erste Gerät war fast so rund wie ein Ball und hatte mehrere Reihen von Haken, mit denen das selbstexpandierende Gerät sich in der Wand des Vorhofohres verankerte. Um an das Vorhofohr zu kommen, wird üblicherweise eine Schleuse in die Leistenvene gelegt und dann ein Herzkatheter über den rechten Vorhof durch die Trennwand zwischen rechtem und linkem Vorhof in den linken Vorhof vorgeschoben. Danach kann das Vorhofohr sondiert werden und das Verschlusssystem von innen in das Vorhofohr eingebracht werden. Nach erfolgreicher Prozedur wird der Herzkatheter entfernt und die Punktionsstelle verschlossen.
In der letzten Dekade wurden verschiedene neue Systeme eingeführt und die Technik weiter verfeinert. In einer großen Studie konnte sogar gezeigt werden, dass diese Technik einer Therapie mit gerinnungsaktiven Medikamenten nicht unterlegen ist und die Rate schwerer Blutungen erheblich senkt. Heute werden in Deutschland über 10.000 Geräte (sogenannte Okkluder) pro Jahr implantiert. Die Sicherheit der Anwendung ist mittlerweile sehr hoch und die Prozedur kann häufig in weniger als einer Stunde durchgeführt werden.
Die Abbildung unten zeigt das Vorhofohrverschlusssystem der Firma St. Jude Medical, was aus zwei Teilen besteht: Einem Körper, der das Gerät im Vorhofohr verankert und einem Deckel, der das Vorhofohr von oben zusätzlich versiegelt. In einem dreidimensionalen Herzultraschall können Sie die Funktion des Deckels besonders gut erkennen.


Was sind die Risiken des Eingriffs?
Jeder medizinische Eingriff birgt allgemeine und spezielle Risiken. Die allgemeinen Risiken sind mit der venösen Punktion und dem Herzkatheter als solchem assoziiert. Es besteht ein minimales Risiko für Infektionen, Embolien oder auch Blutungen an der Punktionsstelle. Spezifische Risiken ergeben sich durch die Sondierung des Vorhofohres und die Einbringung des Geräts. Es kann zu Verletzungen der Herzwände und Blutungen in den Herzbeutel kommen. Bei den ersten Implantaten war dies recht häufig. Mittlerweile liegt dieses Risiko bei 1 bis 2%. Eine seltene Komplikation ist die Verschleppung (Embolisation) des Gerätes, d. h. der Korken bleibt nicht im Vorhofohr stecken, wo er eigentlich hingehört, sondern wird in andere Körperregionen verschleppt. Dieses Risiko ist geringer als 0,5%. In der Regel kann man den verlorenen Okkluder mit speziell dafür entwickelten Kathetern einfangen und bergen. Aktuell liegen die Komplikationsraten bei ca. 3%, damit ähnlich hoch wie bei der Ablation von Vorhofflimmern oder anderen komplexen Herzkathetereingriffen.
Für wen ist dieses Verfahren geeignet?
Das Verfahren ist trotz seiner mittlerweile relativ niedrigen Komplikationsrate insbesondere für Patienten mit Vorhofflimmern und besonderen Risikomerkmalen geeignet. Dazu zählen vor allem Patienten,
- mit erhöhtem Risiko für Blutungen,
- oder Blutung unter Einnahme von Blutverdünnern,
- oder Medikamentenunverträglichkeit.
Aber auch Patienten, die trotz einer effektiven Antikoagulation erneute Schlaganfälle oder Embolien bekommen, profitieren von dem Verschluss des Vorhofohres. Schließlich gibt es eine Gruppe von Patienten, bei denen die Einnahme von Medikamenten nicht ausreichend sichergestellt oder kontrolliert werden kann.
Für wen ist dieses Verfahren nicht geeignet?
Bei allen Patienten mit niedrigem Risiko für Blutungen und guter Verträglichkeit der gerinnungsaktiven Medikamente ist dieses Verfahren nicht anzuraten. Manchmal machen auch individuelle Merkmale eine technische Durchführung der Prozedur nicht möglich. Dazu wird Sie Ihr behandelnder Arzt beraten.
Kann ich mein Blutungsrisiko abschätzen?
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Faktoren, anhand derer man das individuelle Risiko für Blutungen abschätzen kann. Bei erhöhtem Risiko sollte eine Behandlung mit gerinnungsaktiven Medikamenten gut überlegt werden und der Nutzen genau bestimmt werden. Der aktuell empfohlene Risiko-Katalog heißt HASBLED score und beinhaltet 7 Kriterien:
1. Hypertension (Bluthochdruck) | 1 Punkt |
2. Abnormale Nieren- oder Leberfunktion | 1 bis 2 Punkte |
3. Schlaganfall | 1 Punkt |
4. Blutung | 1 Punkt |
5. Labile INR Werte (schlechte Einstellbarkeit | 1 Punkt |
6. Elderly (Alter > 65 Jahre) | 1 Punkt |
7. Drogen oder Alkoholkonsum | 1 bis 2 Punkte |
Das Risiko von Blutungen nimmt mit jedem Punkt zu. Ab 3 Punkten beträgt das jährliche Blutungsrisiko 3 bis 4% unter einer oralen Antikoagulation. Rechnen Sie sich Ihr Risiko aus!
Was muss man nach der Implantation eines Vorhofohrverschlusssystems beachten?
Eigentlich lange nicht so viel wie bei einer gerinnungsaktiven Medikation. Sie sollten in der ersten Woche keinen Sport betreiben, um die Punktionsstelle zu schonen. Bei Fieber sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und in den ersten sechs Monaten nach dem Eingriff auch ein Antibiotikum einnehmen. Bei uns ist es üblich, dass wir nach einem Monat und nach spätestens sechs Monaten die Lage des Gerätes mit Herzultraschall kontrollieren und das weitere Vorgehen besprechen. In der Zwischenzeit sollten Sie regelmäßig Aspirin und Clopidogrel einnehmen. Beide Medikamente sorgen dafür, dass das Gerät sicher einheilen kann. Nach sechs Monaten reicht in der Regel die Einnahme von Aspirin.