Welt-Asthmatag am 05. Mai
„Access to anti-inflammatory inhalers for everyone with asthma – still an urgent need“ – das diesjährige Motto macht klar: Der Zugang zu wirksamen Therapien ist entscheidend.
Anlässlich des Aktionstages der Global Initiative for Asthma (GINA) haben wir ein spannendes Interview mit Dr. Simon Herkenrath, Chefarzt der Pneumologie, geführt. Hier gibt es wertvolle Einblicke in Diagnostik, Therapie und moderne Behandlungsansätze.
Was sind typische Asthma-Symptome?
Klassische Symptome des Asthma bronchiale sind anfallsartige Luftnot oder Reizhusten. Dabei entsteht ein sogenannter Asthmaanfall häufig als Folge einer entzündlichen Überreaktion des Immunsystems z.B. ausgelöst durch eine Allergie, einen Infekt oder sogar durch Sport.
Welche Formen der Diagnose gibt es?
Man unterscheidet verschiedene Asthmaformen, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Weit verbreitet ist das allergische Asthma, welches durch eine allergische Reaktion z.B. gegenüber Pollen, Vogelfedern oder Hausstaub/Milben ausgelöst wird. Darüber hinaus gibt es das sogenannte eosinophile Asthma, welches durch eine bestimmte Entzündungszelle, den eosinophilen Granulozyten ausgelöst wird. Patient:innen mit eosinophilem Asthma haben in der Regel weniger saisonale Beschwerden, sondern leiden eher regellos an akuten symptomatischen Verschlechterungen. Eine Sonderform ist das sogenannte „cough variant“ Asthma, welches sich weniger durch Luftnot, sondern vielmehr durch chronischen Husten bemerkbar macht.
Welche Behandlungen gibt es?
Je nach Schweregrad des Asthma gibt es ein sogenanntes Stufenschema, anhand dessen man die Therapie steuert. Sollte man nur wenige Symptome haben, reicht zu Beginn eine bedarfsorientierte inhalative Therapie aus. Diese besteht in der Regel aus einem inhalativen Steroid, oft auch in Kombination mit einer bronchodilatierenden Therapie. Sollte die Symptomatik zunehmen, würde man zunächst eine feste Applikation dieser inhalativen Kombinationstherapie auf den Weg bringen. Wenn es auch hierunter nicht zu einer ausreichenden Kontrolle der Symptomatik kommt, steigert man noch auf eine dritte inhalative Substanz, einem sogenannten Anticholinergikum, welches zusätzliche Bronchien-erweiternde Effekte aufweist. Die Substanzen liegen in verschiedenen Kombinationen in den modernen Sprays vor und müssen zum Teil nur einmal täglich angewendet werden. Sollte ein allergische Asthma bronchiale vorliegen kann man darüber hinaus eine Allergen-spezifische Immuntherapie durchführen, welche man auch Hyposensibilisierung nennt. Dabei wird in niedriger Konzentration ein Allergen appliziert, welches dann durch einen Gewöhnungseffekt zu einer weniger starken Überreaktion des Körpers bei entsprechendem Allergen-Kontakt führt. Sollten all diese Therapiemaßnahmen keinen ausreichenden Therapieeffekt haben, gibt es seit nunmehr etwa 10 Jahren die sogenannten Antikörpertherapien oder Biologika. Diese Medikamente werden über einen Pen subkutan appliziert und wirken an bestimmten Orten der Entzündungskaskade, adressieren also ganz gezielt bestimmte Entzündungsmediatoren. Diese Therapien sind noch sehr teuer und daher nur beim schweren Asthma zugelassen, man kann aber sicherlich sagen, dass die Biologikatherapie die systemische Dauertherapie mit Steroiden abgelöst hat. Steroide als Tablette sind in der Asthmatherapie heutzutage als Dauertherapie aufgrund der ungünstigen Langzeitnebenwirkungen obsolet.
Welchen Einfluss kann eine Therapie mit Inhalatoren bieten?
Inhalatoren bilden die Basis jeder Asthmatherapie. Es gibt verschiedene Inhalationssysteme wie Dosieraerosole, Sprühvernebler, Pulverinhalatoren oder elektrische Vernebler. Hier sucht man passend zur atemmuskulären Kraft der Patient:innen den jeweils passenden Inhalator aus. Die jeweiligen Systeme gibt es mit verschiedenen Wirkstoff-Kombinationen mit einem, zwei oder drei Wirkstoffen. Darüber hinaus gibt es Wirkstoffe, die bis zu 24 Stunden wirken, oder bei den sogenannten Bedarfsprays nur wenige Stunden. Hier sucht man dann je nach Schweregrad neben dem Inhalationssystem auch die passende Wirkstoffkombination aus, um eine optimale Kontrolle der Symptomlast zu erreichen. In den letzten Jahren hat man festgestellt, dass der inhalativen Steroidtherapie eine besondere Bedeutung zukommt. Diese sollte man bei einer symptomatischen Asthmaerkrankung unbedingt von Anfang an einsetzen, um die überschießende Entzündungsreaktion in den Bronchien und der Lunge zu stoppen. Man weiß inzwischen sehr genau, dass der zu späte Einsatz von inhalativen Steroiden die Prognose verschlechtern kann. Entgegen anderen Lungenerkrankungen, bei denen solche Sprays ebenfalls zum Einsatz kommen können, ist die frühe inhalative Steroidtherapie beim Asthma bronchiale von besonderer Relevanz.
In welcher Weise tragen wir zur Versorgung mit Inhalatoren bei?
Während eines stationären Aufenthaltes oder in unserer Ambulanz suchen wir die Spraytherapie je nach Atemmuskelkraft und Asthmaform sowie in Abhängigkeit des Schweregrads der Erkrankung für alle Patient:innen individuell aus. Diese wird dann auch ambulant in der Regel zunächst fortgeführt. Sollte dann im weiteren Verlauf keinerlei Symptomatik mehr vorliegen, kann ein Auslassversuch durchgeführt werden, oder aber bei unzureichender Kontrolle eine Umstellung oder Erweiterung der Therapie stattfinden.
Wie stark arbeiten wir interdisziplinär mit der Kinderklinik zusammen, um Asthma frühzeitig zu erkennen und zu behandeln?
Die Erkenntnisse aus der Erwachsenenmedizin, dass beim Asthma bronchiale frühzeitig inhalative Steroide eingesetzt werden sollten, zeigen sich in den letzten Jahren auch zunehmend an Untersuchungen bei Kindern. Auch die Antikörpertherapien sind inzwischen vielfach bei Kindern mit schwerem Asthma zugelassen. Im St. Marien Hospital in Bonn haben wir die Möglichkeit, uns interdisziplinär bei besonders schweren Fällen über die Abgrenzung Kinder-/Jugendmedizin und Erwachsenenmedizin hinweg auszutauschen und so eine bestmögliche Therapie für jeden einzelnen Patienten zu ermöglichen.
Vielen Dank an Herrn Dr. Herkenrath für das Interview!

